• roswithazatlokal

16.06.2020


Liebes Tagebuch,

er ist wieder da, der rote Miezekater! Ich hab ihn gesehen. In unserem Garten. Das ist der, der mich schon ein paar Mal gejagt hat. Ich fühl mich grad gar nicht sicher in unserem Garten. Weil der kommt einfach reingehopst, benimmt sich voll daneben und glaubt auch noch, das wäre lustig.


Ich hab natürlich sofort Frauli Bescheid gesagt. Aber glaubst du, die wäre darauf eingegangen? Nicht ein bisschen. „Warum bist du denn so aufgeregt, Hanni?“ – „Da ist ja nix, Hanni.“ – „Komm her zu Frauli und beruhige dich, Hanni.“ Als ob der dicke Rote warten würde, bis ich mich beruhigt habe. Und bis Frauli sich endlich dazu bequemt rauszugehen … Natürlich ist der futsch, sobald sie auch nur einen Fuß auf die Terrasse setzt. Da sollte sie ein wenig mehr Feingefühl haben dafür. Sich vielleicht einmal rausschleichen. Falls notwendig, nicht durch die Tür auf die Terrasse gehen, sondern das Fenster nehmen. So als Überraschungseffekt. Das hab ich ihr auch gesagt. Aber hier werde ich ja so was von nicht gehört. Pfff!


Dann bin ich in meiner Verzweiflung als Bittstellerin zur Nanni gelatscht. Äußerst ungern, wenn ich ehrlich bin. Aber na gut, immerhin hat sie Kampferfahrung und schaut auch mal über unseren Gartenzaun hinaus, ist sozusagen Fremdkatzenerfahren. Und deswegen ist sie vielleicht die richtige Miezekatze für diesen speziellen Fall, hab ich mir gedacht. Und was macht die dumme Nuss? Lacht mich aus! Kichert sich voll weg! Ob ich denn wirklich denke, dass sie mir noch einmal hilft, hat sie mich gefragt. Sie erinnere sich noch genau daran, wie ich sie habe hängen lassen beim Wacheschieben. Und ob ich meine Angelegenheiten nicht selber regeln könne. So eine blöde Kuh aber auch!


Und so sitz ich mit einem echt unguten Gefühl in der Gegend herum. Immer mit einem wachsamen Auge über die Schulter hinter mich blickend.


Und was, liebes Tagebuch, wenn der rote Miezekater durch die Klappe hereinkommt? Mir bis zur Bettzeuglade folgt? Dann bin ich dran. Dann hilft mir gar nix mehr. Und niemand. Und das ist echt bitter.


Hinaus getraue ich mich ja eh schon nimmer. Weißt du, wie arg das ist, wenn du dir nie sicher bist, ob nicht der Rote hinter dir steht? Ich bin schon das reinste Nervenbündel. Aber das kratzt hier ja niemanden. Ich bin echt so was von alleine mit meinem Problem. Niemand kümmert sich um mich. Niemand kämpft für meine Rechte. Niemand sorgt sich um mich.


„Hanni, Pappi!“ Oh, Frauli ruft mich zum Essen. Wir reden später weiter, liebes Tagebuch.

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