• roswithazatlokal

15.12.2020


Liebes Tagebuch,

Ich soll rausgehen, um meine kleinen und großen Geschäfte zu erledigen und bekomme nicht einmal die passende Ausrüstung dafür zur Verfügung gestellt. Ob ich mir dabei den Arsch abfriere scheint hier niemanden zu interessieren. Nicht einmal Ohrenschützer hab ich. Weißt du, wie eisig meine Öhrlein nach jedem Klo-Gang sind?

Heute gebe ich ein Statement ab und benutze das Katzenklo. Dafür gilt es nur den passenden Moment abzuwarten. Weil wenn Frauli nicht daheim ist, bringt das ja nix. Die soll schon mitkriegen, dass hier eine Protestaktion im Gange ist.


Oh, da kommt sie. Ich renne schnell hinunter, um sie zu begrüßen. Je mehr ich sie beschmuse umso mehr Aufmerksamkeit schenkt sie mir. Nur so ist garantiert, dass meine Aktion auch zum Erfolg führt.

„Ja, Hanni, hab ich dir so gefehlt. Ich war doch nur eine halbe Stunde weg. Ja, bist eh mein Mädi. Ja, so eine hübsche Katze. Ja, …“

Wir gehen gemeinsam hinauf. Frauli ins Schlafzimmer, um sich umzuziehen, ich in mein Klo. Genüsslich lasse ich es laufen und pupse, was das Zeug hält.

„Iiiih, Hanni! Das stinkt ja furchtbar! Was um Himmels Willen hast du gegessen? Eine verweste Ratte?“ Oh, Frauli will mit Brachialgewalt lustig sein. Na, dir wird das Witzereißen auch noch vergehen, meine Liebe.

„Hanni, muss das sein?“ Ja, muss es.

„Pfui, Teufel, auch. Am liebsten würde ich dich das selber ausräumen lassen. So eine kleine Stinkbombe aber auch.“ Frauli geht naserümpfend an mir vorbei, flüchtet ins Erdgeschoß.


Ich muss sagen, der letzte Pups hatte es wirklich in sich. Mir wird selber ganz schwummerig. Ich ringe nach Luft. Taumelnd verlasse ich das Katzenklo. Mehr stolpere ich als ich gehe zu Frauli hinunter, lege mich erschöpft auf den Esszimmertisch.


„Ja, Hanni, was ist denn? Du wackelst ja von einer Seite zur anderen. Ist dir schlecht? Du wirst doch nicht krank? Das würde auch deine Verdauung erklären.“ Sie setzt mich auf ihren Schoß, streichelt mir übers Köpfchen.

„Deine Augen glänzen ja. Hast du Fieber?“ Nein, mir hat es nur vorhin die Tränen rausgedrückt vor lauter Anstrengung.

Frauli setzt mich wieder auf den Tisch. Ich werde mit einem Scheinwerfer angeleuchtet. Sie befühlt meine Stirn und meine Ohren, zwängt mir mit Daumen und Zeigefinger die Augen auseinander, um die Pupillen besser sehen zu können, schaut unter Gewaltanwendung in mein Mäulchen, befingert meine Zunge und drückt auf meinem Bauch herum.



„Oh, du siehst gar nicht gut aus. Ist dir schlecht? Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, du bist irgendwie blass.“ Und wieso sollte ich bitte schön nicht blass sein? Nur weil ich weißes Fell habe, oder was?


Ich strenge mich noch mehr an, gehe geradezu auf in meiner Rolle. In Hollywood würde ich zweifellos einen Oscar bekommen für mein fabelhaftes Schauspiel.

„Ach, du armes kleines Püppchen. Da schimpfe ich mit dir und dabei geht es dir nicht gut.“ Frauli bedeckt meinen Kopf mit kleinen Bussis.


„Mensch, Hanni. Wenn Frauli dir draufkommt, dass du hier nur Theater spielst, weil du nicht rausgehen magst aufs Klo …“ Die doofe Nuss sitzt plötzlich kopfschüttelnd vor mir.

„Wie soll sie denn da draufkommen? Oder willst du mich verpetzen?“

„Keine Angst, ich misch mich sicher nicht in Eure Angelegenheiten ein. Da kann man nur unter die Räder kommen bei Euch. Heute wird geküsst und morgen fliegen wieder die Fetzen.“ Nanni kichert.

„Du bist echt blöd“, zische ich sie an.

„Du musst es ja wissen.“ Breit grinst sie mich an.

„Wie meinst du das?“, frage ich. Wortlos dreht sie sich um und geht.

„He, ich rede mit dir.“ Sie geht weiter.

„Nanni!!! Wie meinst du das?“

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