• roswithazatlokal

15.10.2020


Liebes Tagebuch,

heute machen wir Palatschinken!

Keine Ahnung, was das ist, aber es klingt gut. Ich hoffe, es schmeckt auch gut. Wäre blöd, wenn ich da jetzt stundenlang in der Küche herumhock wegen der Palatschinken und dann sind’s grauslich.


Die Nanni meint, sie verschafft sich einen Überblick und hüpft aufs Küchenkastl rauf. Keine Sekunde lässt sie Frauli aus den Augen. Die dumme Nuss macht das echt gut, das muss ich ihr lassen. Sie weiß genau, wenn sie zu nahe kommt, wird sie verscheucht. Also bleibt sie in einiger Entfernung sitzen und rührt sich keinen Millimeter vom Fleck.


Da beneide ich sie schon sehr, die Nanni. Weil, das könnte ich nicht. Das ruhig Sitzenbleiben mein ich. Ich würde mich schon längst nützlich machen. Kontrollieren, ob alles in der Schüssel ist. Kosten, ob Frauli eh nix vergessen hat. So was in der Richtung halt. Aber die Nanni, die sitzt einfach nur. Sitzt da und schaut. Und darf bleiben.


Endlich sind die Palatschinken fertig. Frauli schmatzt zufrieden vor sich hin. Daraus entnehme ich, dass wir wieder einmal ausgezeichnet gekocht haben.


Die Nanni sitzt auf ihrem Sessel beim Esstisch. Unbeweglich. Verzieht keine Miene. Nicht ein einziger Schnupperversuch entkommt ihrer Nase. Die Pfoten hat sie eng an den Körper gepresst. Wahrscheinlich zum Selbstschutz, damit sie nicht doch noch auf den Tisch rauftapsen. Ab und zu hüpft ihr Kehlkopf lustig ihren Hals auf und ab. Ein Zeichen dafür, dass sie versucht, nicht hemmungslos zu sabbern. Diese Selbstdisziplin! Beachtenswert.


„Hanni, runter vom Tisch!“ Ich tu so, als würde ich es nicht hören. „Hanni!!!“ Mit Schwung werde ich auf den Boden gesetzt. Ich springe auf einen Sessel, versuche ruhig sitzen zu bleiben. Meine Augen fixieren Fraulis Gabel. Immer wenn sie sie zum Mund führt, öffnet sich automatisch mein Mäulchen. Natürlich krieg ich nix ab.


„Hanni, Pfoten runter.“ Oh, wie sind die denn auf den Tisch gekommen? Ich merke, dass ich sabbere. „Hanni, wenn du so weitermachst, liegst du gleich auf meinem Teller.“ Wieso? Ich lehn mich doch nur ein wenig über den Tisch, damit ich besser sehe.

„Ich glaube, Ihr wollt unbedingt kosten.“ Auf einem Extra-Teller schneidet Frauli ein Fuzerl von einer Palatschinke in kleine Stückchen, kleckst einen Tupfer orangene Soße dazu (angeblich Marillenmarmelade, was immer das auch ist) und streut staubigen Zucker auf die Palatschinke. Wieso Frauli keinen sauberen Zucker kauft, versteh ich nicht. Ob wir uns den nicht leisten können?


Endlich stellt sie das Ganze auf den Fußboden. Gierig stürze ich mich darauf, brems mich aber gerade noch rechtzeitig ein. So aus der Nähe riecht das auf einmal gar nicht mehr so verlockend. Nach einem ausgiebigen Schnuppercheck und einer Mini-Kostprobe stelle ich fest, Palatschinken sind definitiv nicht das Meine.


Da ist die Nanni schon anders gepolt. Sie wartet geduldig, bis ich mit meiner Inspektion fertig bin. Fast ehrfürchtig macht sie sich über die Palatschinke her. Genüsslich leckt sie alles ab, sogar die orangene Soße kostet sie.

„Dass du das essen kannst“, flüstere ich ihr zu.

„Och, ich finde den Geschmack sehr interessant. Dieses Süß-Saure, das hat was.“ Das Süß-Saure hat was? Wo hat sie denn das nur wieder her? „Weißt du, wir Köchinnen experimentieren gerne ein wenig. Ich finde diese Kreation sehr gelungen.“ Sie leckt sich genießerisch über ihre Lippen, dreht sich um und geht.


Wie bitte? Seit wann ist die dumme Nuss Köchin? Und was für Kreationen? Seit wann ist die denn so drauf, so Schickimicki? Mann, Mann, Mann! Ich stapfe zu meiner Futterschüssel. Ah, Huhn. Lecker. So muss Essen schmecken.

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