• roswithazatlokal

15.05.2020

Liebes Tagebuch,

nichts Böses ahnend, komme ich gerade von meinem morgendlichen Klogang heim und mich erwartet dieser Anblick:


Gut, dass sowohl Blase als auch Darm leer sind, sonst könnte ich jetzt für nix garantieren. Ich düse so schnell wie möglich bei der Katzenklappe hinaus, setze mich nach Luft schnappend auf die Terrasse. Was zum Teufel ist denn da schon wieder los bei uns? Diese komischen Tänze und das Geächze und Geschnaufe! Ob Frauli Schmerzen hat? Gefoltert wird sie mit Sicherheit nicht, da müsste ja noch wer drinnen sein. Und ich hab niemanden sonst gesehen. Oder ist der Einbrecher nur schnell einmal aufs Klo gegangen, so wie ich? Muss sie das alles machen, damit das Haus nicht in die Luft fliegt? Oder damit mir nichts passiert? Vielleicht hat der Verbrecher es ja auf mich abgesehen? So wie in dem Film vor ein paar Tagen. Da musste der Mann verschiedene Aufgaben lösen, damit seinen Lieben nichts geschieht. Pfff, ich bin echt froh, dass ich durch das Fernsehen so viel weiß. Up-to-date-sein, sagt man dazu.

Mir wird ein bisserl kalt, ich möchte gerne hineingehen ins Warme und Trockene. Ob ich es wage? Vorsichtig stecke ich meinen Kopf durch die Klappe - und da sehe ich IHN! Den Philipp. Du kennst ihn eh, den netten Vorturner vom Fernsehen. Der, der immer so gut aufgelegt ist. Und der, dem sie immer die Sendung kürzen oder ganz wegnehmen, weil das Wetterpanorama und das Kochen wichtiger ist wie unsere Gesundheit. Das weiß ich von Frauli. Die ist oft ganz grantig deswegen.

Ich hab anscheinend beim Kacken total die Zeit übersehen und das Turnen hat ohne mich begonnen. Sofort klinke ich mich ein, bin mittendrin und auch dabei. Frauli hat mir extra einen Sessel hingestellt. Lieb von ihr. Oh, den will sie benutzen? Beim Turnen? Die wird auch immer fauler, sag ich dir. Ah, der Philipp sitzt auch. Na gut, dann will ich einmal nicht so sein *zwinker*.

Eines möchte ich übrigens noch festhalten: Ich bin um vieles ansehnlicher beim Sport, mache eine bessere Figur als Frauli. Das bleibt aber unter uns, liebes Tagebuch, sonst ist sie am Ende noch traurig. Oder sie streicht meine Leckerlis.

Drei Mal darfst du raten, wer nie mitturnt mit dem Philipp und uns.



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