• roswithazatlokal

15.01.2021




Liebes Tagebuch,

heute hab ich gar nix zu erzählen.


Es tut sich nix.

Es passiert nix.

Es ist richtig fad.


Und weil mir so fad ist, überlege ich, was ich tun könnte. Ich schlendere also gelangweilt durch die Wohnung. Irgendwo muss sich doch etwas tun.


Ah, was haben wir denn da? Siehst du, liebes Tagebuch, man muss nur genau schauen, dann entdeckt man auch verborgene Schätze. Obwohl, so verborgen ist dieser Schatz ja gar nicht. Der kugelt ja mitten auf dem Esstisch herum.


Da liegt eine riesige Schachtel, umgeben von raschelnden Plastiksackerln und einer Menge Zetteln und Hefterln. Vorsichtig nähere ich mich ihr. Da rührt sich nix, weder drinnen noch draußen. Mutig hüpfe ich obendrauf. Der Deckel gibt nach. Die Schachtel scheint leer zu sein. Wie fad. Ich lasse mich darauf nieder und döse ein bisserl.


Es tut sich echt nix.

Es passiert rein gar nix.

Es ist wirklich unendlich fad.





Gelangweilt fasse ich mit einer Pfote nach einem der Plastiksackerln, schubse es ein wenig hin und her. Das Sackerl fetzt nicht richtig. Ein fades Sackerl also.

Ich erhebe mich und krieche mit dem Kopf unter den Deckel der Schachtel. Sie ist wirklich total leer. Ich zwänge mich hinein, lege mich hin und döse ein bisserl.


Hach, heut tut sich aber wirklich nix.

Heut passiert rein gar nix.

Heut ist es so was von fad.


Ich linse durch einen Spalt aus der Schachtel hinaus. Nix. Fad, fad, fad.


Halt, da kommt wer. Die doofe Nuss. Ha, die kommt mir gerade recht. Ich ducke mich, damit sie mich nicht sieht.


Die Nanni schlendert durch das Wohnzimmer, bleibt stehen, lauscht. Sie dreht sich um, sieht die Schachtel auf dem Tisch, hüpft herauf. Vorsichtig schnuppernd nähert sie sich. Ob sie mich gesehen hat? Keinesfalls. Ob sie mich riecht? Kann ich mir nicht vorstellen, so doof wie die ist.


Nannis Nase nähert sich. Sie schnuppert und schnuppert und schnuppert. Ich spanne meinen Körper wie einen Pfitschibogen, mein Popschi vibriert vor Aufregung. In dem Moment, in dem die doofe Nuss ihre Nase durch den Spalt in die Schachtel steckt, schnelle ich hoch und schreie: „Taraaaaaa!“

Mit einem Riesensatz versucht die Nanni sich vor dem vermeintlichen Feind in Sicherheit zu bringen. Dabei rutscht sie auf einem Plastiksackerl aus und gleitet elegant über den Tischrand hinaus. Kurz scheint es als würde sie in der Luft inne halten, um dann abrupt steil nach unten zu sausen.

„Hahaha! Hihihi!“ Ich kann nicht mehr. Mir tut regelrecht der Bauch weh vom Lachen.

„Du bist so blöd!“, höre ich die doofe Nuss von unten herauf schimpfen.

Vorsichtig schaue vom Tischrand hinunter. „Aber es war lustig, das musst du zugeben.“

„Na, Hauptsache eine hatte ihren Spaß!“ Beleidigt zieht sie ab in den Garten.


Hach, jetzt tut sich wieder nix.

Rein gar nix passiert hier.

Super, jetzt ist mir wieder fad.


Wo ist eigentlich Frauli, wenn man sie braucht?

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