• roswithazatlokal

14.11.2020


Liebes Tagebuch,


du weißt ja, wie gerne ich mit Frauli bade. Das ist die einzige Zeit, in der wir vor der Nanni sicher sind, wo sie uns nicht stört.


In letzter Zeit nimmt die doofe Nuss nämlich mein Frauli dauernd in Beschlag. So schnell kann ich gar nicht schauen und schwupps, rast diese wildgewordene kackbraungestreifte Miezekatze auf mein Frauli zu, beschmust und beknotzt sie. Widerlich, einfach widerlich. Frauli in ihrer Gutmütigkeit lässt sie schweren Herzens gewähren. Die bringt es einfach nicht übers Herz, sie runter zu schubsen.

Frauli liegt in der Badewanne, ich balanciere am Badewannenrand, gebe ihr ganz viele Küsschen und erzähle ihr die neuesten Tratschgeschichten. Interessiert hört Frauli mir zu. Wir lassen sozusagen den Tag Revue passieren.


Mit einem Mal wird`s mir komisch. Ich kann es nicht richtig benennen, spüre so merkwürdige Schwingungen. Nein, keine Schwingungen. Es ist … unbeschreiblich. Ich verharre auf der Stelle, lausche. Nichts. Ich versuche mich abzulenken und singe Frauli ein Lied vor, komme aber immer wieder aus dem Takt. Was ist los, verdammt noch einmal?

Ich empfange verstörende Signale. Mein Gehirn warnt mich, vergisst aber mir genauer zu beschreiben, wovor ich mich in Acht nehmen soll. Hm, es kann aber nichts Schlimmes sein, sonst wüsste ich es doch schon längst. Gerade wie ich meinen Kopf an Fraulis Kopf ankuschle und ihr ein Katzenbussi geben will, sehe ich es. Und erstarre.


Meine Schwanzspitze ist untergetaucht! Sie hängt tief ins Badewasser hinein und pendelt belustigt hin und her. Belustigt? Oder verzweifelt? Ojegerl, jetzt wird sie grantig. Wäre ich auch an ihrer Stelle. Wie konnte ich, die Schwanzspitzenbesitzerin, nur so eine Gemeinheit zulassen?

Mit einem Ruck ziehe ich sie aus dem Wasser. Befreit von seiner Last peitscht mein Schweif in die Höhe, schleudert dabei die nasse Schwanzspitze in hohem Bogen durch die Luft. Wassertropfen spritzen wild durch die Gegend, prasseln auf Frauli und mich nieder.


„Hanni, du flutest ja das ganze Bad mit deinem Schwänzchen!“ Schwänzchen? Sagte sie eben Schwänzchen zu meinem Prachtexemplar von Katzenschweif? Beleidigt springe ich vom Badewannenrand auf die Waschmaschine und beginne mich trocken zu lecken. Was da alles hätte passieren können! Nicht auszudenken. Und sie macht sich auch noch lustig darüber.


„Komm her, du armes vom Schicksal gebeuteltes Miezekätzchen.“ Kichernd wirft mir Frauli ein Badetuch über den Popsch. Haha, echt lustig, schon lange nicht mehr so gelacht.

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