• roswithazatlokal

13.11.2020


Liebes Tagebuch,

stell dir vor, Frauli hat alle unsere Schachteln in der Küche entsorgt. Also fast alle.

Nur eine hat sie uns da gelassen.


Ich meine, hallo, wo kommen wir denn da hin, wenn jetzt jeder einfach unsere Sachen entsorgt, ohne uns zu fragen? Räum ich Fraulis Eigentum einfach weg? Schmeiß ich ihr Zeugs in den Mistkübel? Mach ich hier vielleicht was kaputt, was nicht mir gehört? Eben.


Die Nanni meint ja, wir kriegen sicher neue Schachteln. Weil, Frauli hat uns doch bisher immer andere Schachteln gegeben, wenn die alten zu zerfleddert waren. Warum sollte das dieses Mal anders sein? Was ja auch irgendwie stimmt. Aber - und das ist der Punkt - sie hat sie immer erst dann weggeschmissen, sobald sie neue Schachteln für uns hatte. Und seit Tagen sitzen wir sozusagen auf dem "Schachtel-Trockenen".

Jetzt sieh dir das einmal an! Die doofe Nuss hockt in ihrem Minikarton und ich bin total ungeschützt. Quasi für Jedermann auffindbar.

Was, wenn ein Eindringling kommt? Wenn ich dringend und unerwartet Unterschlupf brauche? Bin ich etwa weniger wert als diese braungestreifte Miezekatze, die so tut, als gehöre sie zu uns?

Dass sie mich mit solchen Aktionen einer enormen Gefahr aussetzt, daran denkt Frauli natürlich nicht. Pfff! Wie bitte kann man so daneben sein und der eigenen Miezekatze eine so wichtige Lebensgrundlage entziehen?

Fällt das nicht unter Gefährdung des Gemeinwohles oder so? Das ist doch sicherlich strafbar. Und gibt es da nicht auch so einen Paragraphen, der besagt, man darf eine Katze nicht bevorteilen bzw. benachteiligen? Fällt das nicht unter das Gleichbehandlungsgesetz? Oder war das das mit der Diskriminierung? Oder gar beides? Ich muss mir morgen gleich nochmals die ganzen Gerichtssendungen anschauen und mich kundig machen. Weil gefallen lasse ich mir das nicht!


Die Nanni, die blöde Kuh, meint ja, ich soll mich nicht so aufregen. Wegen einer Schachtel lohnt es sich nicht, einen Herzinfarkt zu riskieren. Na klar, die hockt ja in der Schachtel! Da kann man leicht reden. Die soll sich doch einmal in meine Lage versetzen, die doofe Nuss!

„Wenn das so ist, dann lass mich doch in die Schachtel“, fordere ich sie zum wiederholten Male auf.

„Wenn du schneller gewesen wärst, säßest du jetzt hier und ich dort.“ Frech grinst sie mir ins Gesicht.

„Pfff!“

In dem Moment geht die Wohnungstür auf. Frauli. Na, die kommt mir gerade recht. Der werde ich jetzt gleich einmal ordentlich meine Meinung sagen.


„Hanni, Nanni! Oh, da seid ihr ja. Ich hab Euch eine Schachtel mitgebracht. Hihi, ich hab doch tatsächlich ein schlechtes Gewissen, weil ich die alten einfach entsorgt hab. Morgen kriegt ihr noch eine.“

Oh, eine neue Schachtel. Schnell springe ich hinein. „Ätsch!“ Ich strecke der doofen Nuss die Zunge raus. Soll sie doch hocken bleiben in ihrer übrig gebliebenen alten Mini-Box.


„Ein Leckerli hab ich auch für Euch.“ Leckerli? Na, dann. Ich hopse aus der Schachtel, stelle mich brav an. Zu spät bemerke ich, dass ich die einzige Miezekatze im Raum bin, die ansteht.

Die doofe Nuss hat die Chance genutzt und sogleich meine neue Schachtel besetzt. So ein gemeines Luder aber auch.

Frauli hält mir ein Leckerli vor die Nase. „Schau nicht so grantig, Hanni. Es werden mit der Zeit sowieso wieder mehrere Schachteln hier herumstehen. Die dann übrigens meistens uninteressant für dich sind, wenn ich mich recht erinnere.“

Frechheit! Die verdreht total die Fakten, unterstellt mir etwas, was so gar nicht stimmt. Das kostet. Ich stupse sie an und maunze.

„Noch ein Leckerli? Na, ausnahmsweise.“

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