• roswithazatlokal

13.10.2020

Aktualisiert: Okt 14


Juchuh, liebes Tagebuch, es regnet!


Warum ich mich so darüber freue? Weil ich mir dann nicht ständig anhören muss: „Wieso gehst du nicht ein bisserl hinaus, Hanni?“ – „Dir ist anscheinend fad, geh doch in den Garten spielen.“ – „Hach, Hanni! Putz dir die Pfoten ab, wenn du hereinkommst. Oder nein, besser du bleibst ganz draußen.“


Jetzt kann ich auf dem Sofa knotzen so oft und solange ich will. Sogar Ballspielen im Wohnzimmer darf ich. Herrlich! Auch der Umgangston hier im Hause Zatlokal hat sich geändert. Wurde ich früher geschimpft, werde ich plötzlich belehrt.

„Hanni, pass auf, die Vase! Oh nein! Bleib stehen, sonst trittst du dir eine Scherbe ein.“ Hoppla. Aber seit wann steht denn dieses Blumendings da herum?

„Hanni, nicht mit den Blumen spielen!“ Ich spiel doch nicht damit, ich rieche nur daran.

„Hanni, der Ofen ist heiß!“ Danke, schon bemerkt.

„Hanni, bitte leg dich nicht auf das Holz drauf. Da ist dein Fell immer so …“


Aber es riecht doch so gut, das Holz. Und es ist hier so kuschelig warm neben dem Ofen. Ich schnuffle mich so richtig hinein in die Holzscheite, schließe meine Augen. Träume von Bäumen und süßen Piepmätzen (ich hab es nachgeschlagen!). Irgendetwas kitzelt mich am Fuß. Wahrscheinlich ein Holzspan oder so. Ich drehe mich auf die andere Seite. Das Kitzeln hört nicht auf. Ungeduldig kratze ich mich an der Kitzelstelle. Es kitzelt weiter. Verschlafen öffne ich ein Auge, untersuche quasi von Weitem meine Haxe. Nix zu sehen. Aber es kitzelt. Mann! Missmutig setze ich mich auf. Was zum Teufel …! Iiih! Da krabbelt etwas an meinem Haxen hoch! Hilfe!

„Miiiaaauuu!“ Ich schreie, so laut ich kann.

„Hanni?“ Frauli lugt um die Ecke. „Ist etwas?“ Ich zucke zur Antwort mit meinem Fuß und schreie noch lauter.

„Was hast du denn?“ Sie kommt näher. Aus sicherer Entfernung versucht sie zu erkennen, was mich so aus der Fassung bringt. So sieht die doch gar nicht, was da alles los ist bei mir. Hallo, vielleicht kommst du her und hilfst mir?

„Oh, ich sehe schon. Da haben wir mit dem Holz eine Assel mit hereingetragen.“ Assel? Tu sie weg! Tu sie weg! Tu sie doch endlich weg? Egal was das für ein Viech ist. Es wird mich auffressen! Wird mich piesacken.

„Na warte, Hanni. Angreifen mag ich die jetzt auch nicht. Ich hol mir ein Taschentuch.“ Wo gehst du hin? Du kannst doch nicht weggehen, während ich hier gefressen werde. Frauli!!!

„So, da haben wir den kleinen Lauser. Den setzen wir jetzt wieder in den Garten hinaus. Ich hab dir ja gesagt, du sollst dich nicht auf das Holz legen. Entweder du wirst schmutzig oder irgendwelche Tierchen gesellen sich zu dir.“ Frauli schmunzelt. Lacht die mich etwa aus? Na, die möchte ich sehen, wenn eine Assel über sie drüber rennt.


Die doofe Nuss liegt die ganze Zeit auf dem Sofa und beobachtet uns. „Sag bloß, du hast dich vor diesem kleinen Käfer gefürchtet?“

„Nein.“

"Wieso hast du dann geschrien?"

"Ich wollte Frauli die Assel zeigen."

„Und warum siehst du dann so zerfleddert aus?“

„Tu ich das?“

„Ja.“

„Das war sicherlich Frauli wie sie die Assel aus dem Fell gezupft hat."

„Wenn du es sagst.“

Pfff.

17 Ansichten

©2019 by Roswitha Zatlokal, Schriftstellerin. Proudly created with Wix.com