• roswithazatlokal

12.09.2020


Liebes Tagebuch,

also alles was recht ist!


Die Nanni hockt heute schon die ganze Zeit im Wohnzimmer und feixt blöd: „Na, meine Liebe, schon nervös wegen der Futterlieferung nächste Woche?“

„Wieso sollte ich? Und du warst doch auch dabei.“

„Frauli glaubt dir nie und nimmer, dass ich das war. Nein, meine Liebe, da musst du dir schon was ganz was Besonderes ausdenken, um dich dieses Mal heil aus der Affäre zu ziehen.“

„Wie? Du glaubst, Frauli haut mich?“

„Nein, das ist doch nur so eine Redensart.“ Nanni betrachtet ihre Krallen. „Ich glaub, ich brauch eine Maniküre.“ Sie erhebt sich betont lässig - das macht sie immer extra, um mich zu ärgern, die doofe Nuss - und geht in den Garten.


Meinst du, liebes Tagebuch, ich sollte mir Sorgen machen wegen der paar Packerl Katzenfutter? Im Grunde genommen nehme ich Frauli eine Menge Arbeit ab. Sie muss nicht ins Geschäft fahren, muss sich nicht abschleppen, …


Hm, zur Sicherheit sollte ich mir vielleicht lieber doch einen Notfallplan zurechtlegen. Ein paare Ausreden auswendig lernen. Mich unverzichtbar machen. Ja, genau, das mach ich! Ich werde unverzichtbar in diesem Haushalt. Frauli ist dann so froh, dass sie mich hat - da kann sie mir gar nicht böse sein.


Hm, womit beginnen? Oh, Frauli hievt gerade den schweren Wäschekorb auf den Sessel. Das heißt, wir bügeln. Na, da werde ich gleich ordentlich mitanpacken.


Puh, das ist ganz schön anstrengend. Und heiß wird’s einem dabei. So ein Bügeleisen gibt eine Menge Hitze ab.


Ich plätte die fertig gebügelte Wäsche im Wäschekorb, damit sich da nix vernudelt. Das kann ich ja mittlerweile total gut. Rein in den Korb, richtige Position einnehmen, den Mittelpunkt finden und fest den Popsch draufdrücken. Dann raus aus dem Korb und auf das nächste Wäschestück warten. Wieder rein in den Korb, den Mittelpunkt finden, …


Pfff! Ich brauch eine Pause. Das geht rein sag ich dir, liebes Tagebuch. Ein paar Schlückchen Milch tun mir jetzt sicherlich gut.


Oh, Frauli trägt das Bügeleisen in die Küche. Wir haben es also geschafft. Gut so. Ein letztes Mal noch hüpfe ich in den Korb, Mittelpunkt suchen, …


Damit die Wäsche nicht durcheinander gerät bleibe ich im Korb sitzen während Frauli ihn nach oben ins Schlafzimmer trägt. Man kann ja nicht vorsichtig genug sein.

Ich liebe es, die Wäsche einzuräumen. Meine Aufgabe dabei ist, darauf zu achten, dass Frauli nicht wieder alles zerknittert. Mit Argusaugen beobachte jeden ihrer Schritte und kontrolliere alles persönlich nach. Nachdem unser Kasten riesig ist, habe ich echt eine Menge zu tun. Vor lauter Hudeln hat mich Frauli sogar schon einmal im Kasten eingesperrt. Böse Zungen (Nanni) behaupten ja, dass dies nicht ganz so unabsichtlich war, wie es im Nachhinein dargestellt wurde.


Endlich sind wir fertig. Erschöpft falle ich in den leeren Wäschekorb.

„Na gut, dann bleib halt liegen“, sagt Frauli und geht.

Wo geht sie denn hin? Lässt dich mich alleine? Glaubt die etwa, ich räume den Korb für sie weg, oder was? Ich sag dir, liebes Tagebuch, eine Arbeitsmoral ist das!


Was höre ich da? Frauli räumt den Geschirrspüler aus. Mühsam quäle ich mich die Stufen hinunter. Um meine Unentbehrlichkeit zu beweisen, muss ich da natürlich mithelfen. Kann diese Frau nicht eine Minute Ruhe geben?


„Hanni, raus aus dem Geschirrspüler!“ – „Hanni, nicht ins Kastl zum Besteck!“ – „Hanni, …!“

Mann, sich unentbehrlich machen ist echt anstrengend. Wenn ich das vorher gewusst hätte …


Und was macht die Nanni, die doofe Nuss? Knotzt auf Fraulis Lieblingssessel und pennt. Aber mitmampfen wird sie wollen beim Futter. Da bin ich mir sicher. Aber was tun dafür? Keine Spur. So eine gemeine Kuh, aber auch!

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