• roswithazatlokal

12.06.2020



Liebes Tagebuch,

schau einmal, was die Nanni macht! Die liegt einfach da und schläft. Einfach so. Anstatt mir zu helfen, tut sie so, als würde sie nichts merken.


Worum es geht? Na, um die dicke Fliege in meiner Bettzeuglade. Die will da einfach nicht herausgehen. Und erwischen tu ich sie auch nicht. Jetzt hab ich die Nanni gebeten, mir zu helfen. Und weißt du, wie die reagiert hat, die doofe Nuss? Gekichert hat sie. Ganz dreckig gekichert.


Ich bin dann beleidigt zu Frauli gegangen und hab ihr erzählt, was mir passiert ist. Das hat mir zwar ein Leckerli eingebracht, aber die Fliege ist noch immer da. Ich kann mich so einfach nicht entspannen. Ständig dieses Gesurre des fetten Ungetüms in meiner Nähe halten meine angegriffenen Nerven nicht aus. Das wird mir gerade alles zu viel. Aber das kümmert natürlich niemanden hier im Haus.


Ich hab sogar die Bettzeuglade ein wenig aufgeschoben in der Hoffnung, das Monstrum findet so seinen Weg in die Freiheit. Denkste. Die Dicke ist einfach da geblieben.


Dann hab ich versucht, eine der anderen Bettzeugladen für mich in Beschlag zu nehmen. Das geht rein gar nicht. Die riechen alle anders. Die sind auch anders eingerichtet. Die sind mir auch so was von fremd. Da hilft es auch nichts, wenn ich meine Schmusedecke mitnehme.


Gerade wie ich ganz verzweifelt und mutterseelenalleine mit meiner Schmusedecke mitten im Schlafzimmer stehe, kommt Frauli. Sie will die Betten frisch beziehen. „Ja, Hanni, was ist denn los? Ziehst du um?“ Sie deutet amüsiert auf meine Schmusedecke. Haha, echt witzig! „Na, da kann ich ja gleich einmal deine Lade reinigen. Wahrscheinlich ist da eh schon mehr Dreck als sonst was drinnen.“ Frechheit. Die ist pikobello sauber. Da sitzt nur eine fette hässliche Fliege drinnen, die da nicht hineingehört.


Frauli saugt und wischt, als würde es sich nicht um eine winzige Lade, sondern um einen Ballsaal handeln. So dreckig kann die gar nicht sein. Ich wasch mich doch ständig, wenn ich mich reinlege.


„Sollen wir deine Decke wieder reinlegen oder lassen wir sie heraußen?“ Vorsichtig luge ich in die Lade hinein. Iih, die riecht jetzt voll nach Putzmittel. Bis ich das wieder weg habe, das dauert. Aber zu meiner Freude ist die Fliege nirgends zu sehen. Schnell springe ich in die Lade, Frauli legt die Decke hinein, tätschelt meinen Kopf. „Na, dann schlaf erst einmal eine Runde.“ Sie schiebt die Lade zu und mich umhüllt der Duft von Essigreiniger. Kein Wunder, dass die Fliege abgehauen ist.


Mensch, ich krieg Kopfweh von dem Geruch hier drinnen. So kann man doch kein Nickerchen halten. Mit einem Brummschädel kraxle ich aus der Bettzeuglade und schleppe mich mit letzter Kraft ins Wohnzimmer. Frauli sitzt auf ihrem Lieblingssessel. Von Nanni ist nichts zu sehen. Schnell hüpfe ich auf Fraulis Schoß, ringle mich mit einem Seufzer zusammen. „Ja, Hanni, was ist denn das für ein Seufzerlein? Geht’s dir nicht gut?“ Streng schaut mir Frauli in die Augen, untersucht meine Ohren, berührt meine Nase. „Scheint alles in Ordnung zu sein. Komm, wir kuscheln.“ Sie umschlingt mich und drückt mich ganz fest an sich. Hach, das ist schön. Nicht so schön wie meine Bettzeuglade, aber man kann`s aushalten *zwinker*.

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