• roswithazatlokal

11.11.2020

Aktualisiert: Nov 12


Liebes Tagebuch,

schau dir das bitte einmal an! Siehst du es? Nein? Na, schau doch genau!

Die Nanni, die Urschel, kommt von draußen rein und springt, so wie sie ist, auf den Tisch. Was ich damit meine? Na, dann schau doch genauer hin! Ihre Haxen sind so was von dreckig, da kommt dir echt das Speiben.

Und wie sie herumstolziert. Ganz so als wäre sie ein Modell. Diese blöde Kuh. Statt sich zu waschen posiert sie da herum.

Ha, jetzt sehe ich auch, warum sie dieses Affentheater aufführt. Der Dominik steht draußen in der Wiese und beobachtet sie.

Schau! Schau! Jetzt legt sie sich hin und fängt an, sich zu putzen. Dabei tut sie so, als hätte sie ihn noch gar nicht bemerkt. So ein falsches Luder aber auch.

Dominik winkt. Die Nanni tut total überrascht. Mir wird schlecht bei so viel Falschheit.

Gemächlich erhebt sie sich, springt vom Tisch. Sie geht aber nicht hinaus, sondern bleibt vor der Katzenklappe stehen. Ganz so, als würde sie überlegen, ob es sich überhaupt lohnt, das wohltemperierte Wohnzimmer zu verlassen.


„Ja, was ist denn da passiert“, Frauli zeigt auf das dreckige Tischtuch. „Wer latscht denn da mit dreckigen Pfoten auf meinem Tisch herum?“ Die Nanni schlüpft wortlos hinaus zu ihrem Dominik.

„Ihr wisst genau, dass ich das nicht mag.“ Streng sieht mich Frauli an. War ja klar, dass ich jetzt die Moralpredigt abbekomme. „Wie oft soll ich das eigentlich noch sagen, dass …“ Ich drehe mich um, flüchte hinaus in den Garten.

„Also, das ist ja die Höhe. Ihr lasst mich echt einfach so stehen?“ Frauli reißt die Terrassentür auf und schreit: „Hallo, ich rede mit Euch!“

Tzzz, es wird echt immer schlimmer mit ihr. Jetzt trägt sie unsere Differenzen schon nach außen. Was wohl die Nachbarn von uns denken? Und alles nur, wegen eines dreckigen Tischtuchs. Man muss sich direkt schämen. Ich glaube, ich sollte einmal ein Machtwort sprechen. Was meinst du, liebes Tagebuch?

Es beginnt zu nieseln. Nanni kommt angesaust und wir schlüpfen beide schnell wieder hinein ins trockene und warme Wohnzimmer.

„Ah, da seid ihr ja wieder. Traut Ihr Euch doch nicht so einfach abhauen, wenn ich ein Hühnchen mit Euch zu rupfen habe.“ Triumphierend schaut uns Frauli an. Hühnchen? Es gibt heute Hühnchen? Leckerschmecker.

Ach du meine Güte, ich bin ja ganz gatschig. Das muss ich aber schnell wegputzen. Ich setze zum Sprung auf die Couch an, werde aber sofort von der doofen Nuss angefaucht. Sie thront über mir, wäscht sich endlich ihre Haxen. Na gut, bleib ich halt auf dem Teppich sitzen. Hauptsache weich und kuschelig.

„Sagt einmal, hört Ihr mir eigentlich zu?“ Frauli stampft mit dem Fuß auf.

Nur nicht beachten. Man darf solchen Ausbrüchen keine Beachtung schenken, da man sie ansonsten nur unnötig verstärkt. Das hat letztens die Nanny im Fernsehen den Eltern von so einem Ungustl-Kind erklärt. Frauli führt sich zwar nicht ganz so arg wie dieser Knirps auf, aber man muss so etwas schon im Keim ersticken. Sagt zumindest die Nanny.

Mann, hab ich einen Durst. Oh, ein Glas Wasser. Wie praktisch.

„Hanni!“ Ja? „Das ist mein Glas!“ Und? Sei nicht so neidig.

„Also, wirklich. Ich muss viel strenger mit Euch werden. So geht das nicht weiter. Ihr folgt überhaupt nicht mehr.“ Wieder stampft Frauli mit dem Fuß auf.

„WAS?“ Ich kann nicht mehr still sein. Das wird mir jetzt echt zu viel. "Ständig hast du was zu meckern!"

„Sei nicht auch noch frech! Du benimmst dich als würde dir hier alles alleine gehören.“ Ach, darum geht es. „Es gibt Regeln und die hast auch du zu befolgen.“ Ja, klar. Vorher brauch ich aber noch einen Schluck Wasser.

„HANNI!“ Wenn die so weiter macht, kriegt sie glatt einen Herzinfarkt.

„Übertreib es nicht“, wispert mir die Nanni zu. „Sie hat das Futter, also hat sie die Macht.“ Wo sie recht hat, hat sie recht.

Versöhnlich wickle ich meinen Schwanz um Fraulis Beine und beschmuse sie.

„Och, du kannst so süß sein.“ Frauli strubbelt mir das Fell. „Aber auch so schlimm.“ Sie busselt mich von oben bis unten ab. „Komm her, Nanni. Kriegst auch ein Bussi.“

Na also, geht doch.

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