• roswithazatlokal

10.11.2020


Liebes Tagebuch,

Dominik und Maximilian haben sich für das heutige Yoga entschuldigt. Haben irgendetwas von einem Arztbesuch gefaselt, den sich ihr Frauli einbildet.

„Ich bin so was von gesund, meine Schöne. Also keine Sorge.“, hat der Dominik der Nanni zugeflüstert. Bäh, ist das grauslich. Mich hats regelrecht gereckt bei so viel Schleimerei.

„Ich auch“, hat dann natürlich der Maximilian seinen Senf dazugegeben. Ich glaube, der verkraftet noch immer nicht, dass die Nanni sich jetzt mehr dem Dominik widmet. Aber da ist er selber schuld. Was muss er sie auch jagen und zwicken, der Depp!


Seit die Nanni diese Doku von den Katzenrudeln gesehen hat, ist sie total plemplem. Ständig faselt sie davon, man müsse wieder mehr in Gruppen zusammen leben, einfach wieder eine Gemeinschaft bilden. So wie die Katzen auf dem Land. Wir Stadtkatzen hätten dies total verlernt.

Wenn du mich fragst, spinnt die total. Wer bitte schön braucht denn andere Miezekatzen? Ich hab mein Frauli, das mich füttert, mich knuddelt und mit ins Bett nimmt.


Mir geht das echt auf den Geist, dass jetzt ständig fremde Katzen bei uns antanzen. Ich werde mit Frauli ein ernstes Wort reden müssen. Die muss das unterbinden.

„Wieso muss ich überhaupt dabei sein? Macht doch, was ihr wollt, aber bitte nicht bei uns“, zische ich sie grantig an.

„Man kann doch nicht ständig bei Freunden herumlungern, ohne sie selbst einzuladen. Und ein bisserl Gesellschaft hat noch keinem geschadet.“

„Zu Punkt eins: Anscheinend schon, sonst wären die nicht ständig hier, sondern du drüben bei ihnen. Punkt zwei: Ob und was mir schadet würde ich gerne selber entscheiden.“ Ständig muss sie mich bevormunden, die blöde Kuh.

„Streitet ihr?“ Bertl. Der hat mir gerade noch gefehlt.

„Nein, die Hanni ist nur traurig, weil die anderen Jungs keine Zeit haben.“ Nanni kichert. So ein Miststück!

„Ich hab Euch etwas von zu Hause mitgebracht. Als Gastgeschenk.“ Bertl legt uns zerfledderte Leckerli-Stangerl vor die Füße.

„Oh, das ist aber lieb von dir. Danke“, ereifert sich Nanni.

„Sieht aus wie schon einmal gegessen“, kann ich mir nicht verkneifen.

„Nun, ehrlich gesagt, hab ich unterwegs nicht widerstehen können. Es fehlen also ein paar Stückchen.“ Na super. Der frisst doch tatsächlich unser Geschenk selber.

"Hast du die geklaut?", lasse ich nicht locker.

"Nicht direkt. Mein Frauchen kauft sie ja für mich. Also gehören sie mir und ich kann sie mir nehmen wann immer ich Lust darauf habe." Er wirkt jetzt aber doch ein wenig verlegen. Also doch geklaut. So ein Schlawiner. Aber bei Leckerli-Stangerl kann ich auch nie widerstehen.


„Wir teilen sie uns dann später. Komm, ich zeig dir ein paar Übungen. Bist du bereit, Hanni?“ Natürlich muss die blöde Nanni das Kommando übernehmen. Ich hätte jetzt lieber mit Bertl Stangerl genascht. Aber gut, dann halt später. Also verbeuge ich mich vor Bertl und mache gute Miene zum bösen Spiel.


„Mädels, seht mal, da drückt sich wer die Nase an der Glasscheibe platt. Kann es sein, dass Euer Frauli uns beobachtet?“

„Ja, kann sein.“

„Vielleicht will sie mitmachen?“ Bertl wendet sich schon der Katzenklappe zu.

„Dann würde sie das sicherlich tun. Ignorier sie einfach.“ Hanni geht über in den Hund.

Mann, diese Namen … Hund, Baum, Dreieck, … Aber ich hab mir angewöhnt, die Übungen nach meinen Vorstellungen abzuwandeln. Ich finde meinen Baum viel schöner. Der lebt geradezu. Wenn du verstehst, was ich meine. Da wiegen sich die Blätter und zwitschern die Vogerl …

"Hanni, hör auf hin und her zu wackeln und lass das Gezwitscher!", werde ich sofort von der Nanni gerügt.

Liebes Tagebuch,

ich bin es, Frauli! Heute ist Dienstag. Yoga-Tag. Und da sitzen sie auch schon: Hanni, Nanni und Bertl. Nach denen kann man fast die Uhr stellen. Ob Miezekatzen so etwas wie eine innere Uhr haben? Wo wohl die anderen beiden Kater sind?


Machen die gerade die Kobra? Ich drücke meine Nase an die Scheibe, um besser zu sehen. Im selben Moment schaut Bertl zu mir herüber. Das ist mir jetzt direkt ein bisserl peinlich. Was der jetzt wohl von mir denkt?


Irgendwie finde ich es ja arg, dass sie mich noch immer nicht gefragt haben, ob ich mitmachen möchte. Immerhin ist es meine Terrasse, auf der sie hocken.

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