• roswithazatlokal

09.10.2020


Liebes Tagebuch,


ich chille draußen in der Sonne, genieße den Tag und beobachte meine Freunde, die Piepmatze. Oder heißt das Piepmätze? Hm, die Frage muss ich mir gleich aufschreiben, damit ich sie nicht vergesse. Oh, was sehe ich? Mein kleines schwarzes Buch ist fast vollgeschrieben mit lauter Fragen, die ich nicht vergessen möchte, sie nachzuschlagen. Vielleicht sollte ich das endlich einmal tun. Aber nicht jetzt. Jetzt wird weiter genossen.


„Ist dir bekannt, dass eine Frau den Geschirrspüler erfunden hat?“, reißt mich die doofe Nuss aus meinem Schlaraffenland.

„Nein, ist das wichtig?" Irritiert sehe ich sie an.

„Vielleicht. Auf alle Fälle weißt du es jetzt. Wunderst du dich nie, warum unsere Schüsselchen so sauber sind?“

„Nein.“

„Na, eben wegen dieser Frau aus betuchtem Haus. Ihre Leute haben ständig das teure Geschirr zerdeppert – wahrscheinlich wollten sie es nicht ständig abwaschen – und deswegen hat sie eine Maschine erfunden, die ihr Geschirr ganz alleine abwäscht. Die haben damals schon Arbeitskräfte eingespart“, fährt Nanni besserwisserisch fort. Ich wette, hätte sie eine Brille, würde sie diese ganz nach vorn auf die Nasenspitze rücken und über den Brillenrand hinweg lehrerhaft auf mich einreden.

„Ach?“ Ich muss gähnen.

„Ja, stell dir vor, die armen Leute hingegen haben sicherlich aus dreckigem Geschirr gegessen. Die konnten es sich doch gar nicht leisten, ständig neue Teller und Schüssel anzukaufen.“

„Du meinst …“

„Ja, meine ich.“

„Das hast du doch gerade erfunden. Gib es zu!“

„Ich schwöre, das ist die Wahrheit.“ Theatralisch hält sie ihre Pfote in die Höhe. Ich bin mir nicht sicher, welche die Schwurpfote ist. Die rechte oder die linke? Am Ende bescheißt sie mich sogar hierbei. Ich trau dieser braungestreiften Katze irgendwie nicht.

„Und“, setzt sie fort. „Wusstest du, dass die Menschen früher alle zahnlos waren.“

„Jetzt hör aber auf!“

„Ehrlich. Die hatten in jungen Jahren oft nur mehr verfaulte Stummelchen im Mund. So wie du voriges Jahr.“ Mitleidig sieht sie mich an. „Aber im Gegensatz zu dir, hatten die keinen guten Zahnarzt bei der Hand.“

„Zahnarzt?“

„Ja, so nennt man das, wenn einer in den Zähnen herumwerkelt. Die Menschen haben für alles einen eigenen Arzt. Wir haben einen Tausendsassa, der alles kann. Da kannst du mal sehen, wie privilegiert wir sind. Die Menschen sind echt arme Schweine. Aber das habe ich dir ja schon erklärt, das mit den Menschen und den Schweinen.“

„Aber wie haben die denn gegessen ohne Zähne?“

„Ich denke, so wie du.“ Sie grinst mich an. So eine blöde Kuh aber auch.

„Nur sind die früher alle deswegen gestorben.“

„Wegen der Zähne?“ Also, wenn ich viel glaube, aber das?

„Ja, klar. Beißerchen kaputt, kein Mampfi und irgendwann aus die Maus.“

„Nein!“

„Doch.“ Sie nickt mir ernst zu.

„Du willst mir nur Angst machen.“

„Warum sollte ich das tun? Du hast doch fast keine Zähne mehr und lebst trotzdem.“

„Das hast du gerade alles erfunden, damit ich mich unwohl fühle.“

„Aber nein.“

„Wer hat dir das erzählt?“

„Die Nachbarn. Die hab Besuch und tratschen über Hausarbeit und Arztbesuche.“

„Aber …Man darf doch nicht lauschen.“

"Ich hab doch nicht gelauscht. Ich hab mich dazugesetzt und mitgeredet." Stolz sieht sie mich an.

"Und warum erzählst du mir das alles?"

"Nur so. Ich finde es interessant. Du nicht?"

„Nein.“ Ich wende mich wieder meinen Piepmätz-matzen zu.

„Okay, dann halt nicht.“ Sie schlendert an mir vorbei, hüpft über den Zaun.

„Oh, das ist sie ja wieder, die süße Miezekatze von nebenan!“, höre ich aus dem Nachbargarten. „Schau nur, sie tut, als würde sie alles verstehen! Lacht die uns etwa gerade aus?“

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