• roswithazatlokal

06.10.2020



Liebes Tagebuch,

Frauli hatscht noch immer mit ihren Stelzen durch die Gegend. Und nach jedem zweiten Schritt grunzt sie so komisch.


Die Nanni meint ja, dass dies ein Ausdruck des Wohlfühlens ist bei den Menschen, diese Grunzerei. Und dass das noch von früher kommt, von der Zeit wo es noch Dinosaurier gegeben hat. Weil, sagt die Nanni, die Menschen und die Schweinderl sind sich sehr ähnlich. Das hat sie letztens in einer Medizinsendung gehört. Und den Menschen ist wohl das Grunzen geblieben. Sozusagen als Andenken an die gute alte Zeit.

„Aber es gibt doch gar keine Dinosaurier mehr“, antworte ich auf ihre doch etwas merkwürdige Theorie.

„Eben. Da siehst du wieder, wer sich durchgesetzt hat. Die Schweinderl und als deren Nachkomme der Mensch. Denen hat nicht einmal das Donnerwetter von ihrem Gott etwas anhaben können. Die haben wahrscheinlich als Einzige die Sintflut überlebt“, erklärt mir die Nanni.

"Die Schweindln oder die Menschen?", frage ich.

"Beide. Es gibt ja beide hier auf der Erde."


Also eines muss man ihr lassen, der doofen Nuss. Sie ist irgendwie sehr gebildet. Die merkt sich wirklich alles, was die so im Fernsehen erklären. Auch, wenn sie ansonsten so eine blöde Kuh ist.

Die Nanni meint auch, die Dinger wären gar keine Stelzen. „Die erinnern mich eher an diese komischen Humpelstöcke aus dem Fernsehen. Bei diesen Arztserien gibt es immer einen, der mit den komischen Stecken herumhampelt. Und in Liebesfilmen verletzt sich doch meistens die tollpatschige Frau und der Mann ist ihr Retter, ihr Held. Zum Schluss leben sie glücklich zusammen bis an ihr Lebensende. Sie hatschert und er strahlend.“ Sie grinst mich selbstzufrieden an.


„Ich glaube ja, dass die Menschen irgendwann im Laufe ihres Lebens draufkommen, dass sie total benachteiligt sind uns Tieren gegenüber und sich deswegen solche Stecken zulegen. Immerhin fristen die ihr Dasein auf zwei Beinen, während die meisten von uns über vier verfügen. Oder über zwei Beine und zwei Flügel. Oder über eine ganz eine tolle Kriechtechnik. Oder über Schwimm- und Tauchkünste. Oder …“, philosophiere ich vor mich hin.

„Ich hab`s kapiert“, giftet mich die Nanni an und rollt dabei ihre Glubschaugen. „Du meinst, die Menschen sind arme Schweine, was ihre Fortbewegung betrifft.“ Sie kichert. "Arme Schweine, hihi! Verstehst du? Hihi! Schweine und Menschen?"

Ihre Witze waren auch schon mal besser.


Wir schweigen beide, geben uns unseren Gedanken hin. Meine Gehirnströme schweifen ab. Ich überlege, was es heute wohl zum Nachtmahl geben wird. Würde sich ein Held auf die Qualität und Quantität unseres Futters auswirken?


"Aber wenn du recht hast und unser Frauli ist die tollpatschige Frau, wer ist dann unser Held?", frage ich leise. So ein eigener Held, das hätte schon was.

"Einer der fliegt und kämpft und die Welt rettet? Zaubern kann und all das macht, was Helden halt so machen?“ Hanni runzelt nachdenklich ihre braungestreifte Stirn. „Gute Frage.“

Ich spüre, wie sich meine hübsche Stirn ebenfalls in Falten legt und ziehe sie wieder glatt. Ich muss ja nicht unbedingt wegen unseres Helden Runzeln kriegen. „Das heißt, entweder rennt hier ein Held in absolut perfekter Tarnung durch die Gegend oder wir haben ihn verpasst.“

„Oder er war noch gar nicht da", kontert Nanni.


Wir werden abgelenkt vom Lärm draußen, wo sich ein Mann hingebungsvoll unseren Büschen widmet. "Hm, vielleicht der Gärtner?", frage ich.

Nanni mustert ihn nachdenklich, flüstert schließlich: "Nö, der Gärtner ist doch immer der Mörder."

"Ach so, ja, stimmt."


Ich sehe schon, die Heldenfrage wird uns noch eine Zeit lang beschäftigen.

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