• roswithazatlokal

06.07.2020


Liebes Tagebuch,

heute turnen wir nach langer Zeit wieder einmal mit dem Philipp vom Fernsehen. Den mag ich, der ist immer so lustig.


Ich frage mich, wie das funktioniert, das mit dem Fernsehen. Wie kommt der Philipp da überhaupt hinein? Und wieso steht der nirgends raus? Der Popsch zum Beispiel, wenn er sich bückt. Oder die Hände, wenn er sie ausstreckt?


Der Philipp sieht uns auch. Woher weiß der sonst, dass Frauli schon wieder schlampig in der Gegend herumsteht? Ob wir gefilmt werden? Ich winke dem Philipp zu. Keine Reaktion. Plötzlich schaut er Frauli mit einem Lächeln an und sagt: „Nicht vergessen, Körperspannung halten, Bauchnabel einziehen.“


Er beobachtet also nur Frauli. Oder sieht mich nicht, weil ich so klein bin. Das wird es sein, der sieht nur bis zu Fraulis Bauchnabel. Alles was darunter ist, bleibt ihm verborgen.


Ich hopse wie ein Ball hoch. Immer wenn ich oben bin, winke ich. Nach dem zehnten, nein sechsten, okay dritten Sprung bin ich total groggy. Mir rinnt der Schweiß nur so das Fell hinunter. Aber keinerlei Reaktion von Philipp.


Also, das ist mir jetzt aber zu bunt! Ich springe auf das Fernsehkastl hinauf, versuche den Philipp zu erschnüffeln. Nix. Ich quetsche mich hinter den Fernseher. Eine Menge Kabel, eine dicke Staubschicht, aber kein Philipp-Popsch.


Arschlings gehe ich wieder retour zur Vorderseite des Fernsehers. Ein kleiner Sprung und ich lande oben drauf. Der Fernseher wackelt. Ich wackle mit. Mit einem Mal verstehe ich, was mit einem schmalen Grad gemeint ist.


„Hanni!“ Ja. „Geh runter, bevor du den Fernseher kaputt machst.“ Wie soll das denn gehen, bitte schön? „Hanniii, du schmeißt den Fernseher runter!“ Quatsch.

Unsanft werde ich gepackt und auf den Boden gesetzt. „Kannst du nicht einmal eine Viertelstunde Ruhe geben?“ Mach ich doch. Ich such doch nur den Philipp.


Ich mein, das mit den Filmen ist schon so eine Sache für sich. Oder wenn Frauli mich fotografiert und ich lach auf einmal aus ihrem Handy heraus. Rätsel über Rätsel, liebes Tagebuch. Aber dass der Philipp weiß, dass Frauli nicht ordentlich mitturnt, das ist spooky.

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