• roswithazatlokal

06.06.2020


Liebes Tagebuch,

heute ist Nikolaus! Ich freue mich schon seit gestern darauf. Doch was passiert? Nix.

Der ist nicht da. Bringt nix. Alles ist wie immer. Also fast alles. Weil, und jetzt kommt`s: Frauli hat vergessen für uns einzukaufen.

„Hm, mal schauen, was hab ich denn sonst so alles für Euch.“ Frauli steckt bis zum Bauch im Kühlschrank. Wäre der nicht so leer, würde sie gar nicht hinein passen.

"Wir haben nur zu Hause, was wir auch wirklich aufbrauchen", betet Frauli uns ständig vor. Ha, wenn dem so wäre, hätten wir Katzenfutter zu Hause. Weil das brauchen wir unter Garantie auf, wie wir heute alle feststellen können!

„Wurst?“ Sie dreht sich zu uns um. Nanni und ich nicken.

„Oder Thunfisch?“ Nanni gibt laute Schmatzgeräusche von sich, ich hüpfe aufgeregt hin und her.



Und dann … Katastrophe pur.

„Wo sind die Nudeln? Die Karotten? Die Erbsen?“ Enttäuscht schaue ich Frauli an.

„Ähm, …“, setzt Frauli an.

„Und total kalt ist der Fisch auch noch. War der nicht im Ofen?“ Streng suche ich Fraulis Blick. „Also so esse ich den Fisch nicht.“ Demonstrativ verlasse ich die Küche.

„Ähm, …“

„Tztztz!“, schmettert Nanni Frauli entgegen.

„Ähm, …“, versucht es Frauli nochmals. Aber da ist die Nanni auch schon weg.


Nach einer Weile erwischen wir Frauli beim Frühstück. Eh klar, auf sich selbst hat sie nicht vergessen. Vorsichtig lecke ich die Margarine vom Brot.

„Ähm, Hanni …“

Mit zusammengekniffenen Augen schaue ich auf.

„Ähm, mein Brot …“

Beleidigt verlasse ich den Tisch. Soll sie sich ihr Brot doch in die Haare schmieren.

Kurze Zeit später höre ich den Deckel des Mistkübels. Frauli kommt mit einem Joghurt zurück. Sofort ist Nanni zur Stelle. Ich mag ja dieses Zeugs nicht, verstehe auch gar nicht, was die alle daran finden.


„Ja, ich hab extra ein Tellerchen für dich mit, Nanni.“ Seufzend kleckst Frauli einen Teil ihres Joghurts auf den Teller und stellt ihn für Nanni auf den Boden.

„Und was esse ich?“ Frauli kratzt sich am Kopf.

„Wie wär`s mit Kochen?“, zische ich sie an.


Nach kurzer Zeit kommt Frauli vollständig angezogen die Treppe herunter.

„Ich klappere jetzt die Tankstellen ab nach Katzenfutter. Falls die Polizei mich fragt, wieso ich im Lockdown auf Shoppingtour bin, sage ich es handelt sich um lebenswichtige Einkäufe für von mir betreute Lebewesen. Ich erwarte mir, dass Ihr das bestätigt, falls sie nachfragen.“ Sie dreht sich um und humpelt in die Kälte hinaus.

„Glaubst du, sie ist sauer auf uns?“, fragt mich die Nanni.

„Ach, die kriegt sich schon wieder ein. Wenigstens merkt sie sich das fürs nächste Mal. Uns lieblos eine kalte Dose Thunfisch hinzustellen ist ja auch wirklich letztklassig.“


"Du sagst es. Komm, der Thunfisch hat schon Zimmertemperatur. Bis Frauli wieder kommt, können wir ihn ja essen.“

„Okay.“

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