• roswithazatlokal

05.11.2020


Liebes Tagebuch,

wir haben heute Putztag. Also ganz was Neues. (Das ist sarkastisch gemeint, falls du das nicht mitbekommen hast.)


Ich lieg grad urgemütlich einfach nur da, verdaue mein Frühstück, döse - und was passiert? Frauli zieht mir regelrecht den Sessel unterm Hintern weg. Mit letzter Kraft kralle ich mich fest.

„Hanni, lass los! Du ziehst lauter Fäden bei der Sesselhusse.“ Bei wem? „Hanni, geh runter!“ Nein, ich will sitzen bleiben. Frauli hebt den Sessel an, versucht mich runter zu schütteln. „Hanni, bitte.“ Sie stellt den Sessel wieder hin, schnappt mich am Bauch, zieht mich in die Höhe. Nein, ich werde nicht los lassen. Nein, ich will da sitzen bleiben. „Hanni, sei doch nicht so stur.“ Wir kämpfen eine Weile. „Na gut, dann bleib sitzen.“ Na bitte, geht doch.


Der Sessel und ich, wir werden jetzt gestapelt. Das kennst du nicht, liebes Tagebuch? Das ist, wenn du einen Sessel über den anderen drüber stülpst, sozusagen einen Sesselturm baust. Bei uns ist die Miezekatze der krönende Abschluss des Kunstwerks. Aber so habe ich wenigstens einen super Ausblick.


Frauli verschwindet in der Küche. „Nanni, bitte nicht jetzt“, höre ich sie grummeln. “Na gut, aber nur kurz.“ Ich kann mir schon denken, was los ist. Jetzt sind die Teppiche dran, werden zusammengerollt und auf die Terrasse getragen. So zumindest der Plan. Die Realität sieht ein wenig anders aus und das lasse ich mir natürlich nicht entgehen.

Die Nanni liegt quer über einen Teppich ausgestreckt. Sie hält mit keckem Gesichtsausdruck einige Fransen zwischen ihren Pfoten. Voller Vorfreude quietscht sie begeistert, schnurrt und maunzt, ist total aus dem Häuschen. Die beiden fighten was das Zeug hält. Je mehr Frauli den Teppich für sich beansprucht umso aufgeweckter wird die doofe Nuss.

„Genug jetzt“, Frauli versucht Teppich und Miezekatze zu entwirren. Doch so schnell gibt die Braungetigerte nicht auf. „Nanni, bitte.“ Beide ziehen, jede an einem anderen Ende. „Jetzt weiß ich wieder, warum ich keine teuren Teppiche habe“, seufzt Frauli und versucht ein letztes Mal die Nanni abzuschütteln. Schließlich gibt sie auf und trägt den Teppich samt Nanni, die wie eine Fahne hinten dran hängt, hinaus auf die Terrasse.


Oh, oh, der Staubsauger naht. Den mag ich überhaupt nicht. Laut und unnachgiebig frisst der alles in sich hinein, was er nur findet. Sogar Brekkies. Eine Frechheit, wenn du mich fragst. Die wären sicher noch genießbar, aber nein, das Monstrum verschlingt sie auf Nimmerwiedersehen.


Die Nanni ist draußen geblieben, wartet in Ruhe die blöde Saugerei ab.

Wie sie aber sieht, dass Frauli anfängt bei den Blumen herumzuzupfen ist sie nicht zu halten. Sie schießt durch die Katzenklappe mit Karacho herein, rennt einen kleinen Kaktus über den Haufen und rettet sich mit einem Sprung vor Fraulis Gießkanne in den großen Blumentopf.

„Nanni. Von der Hanni bin ich ja einiges gewöhnt, aber dass du auch so lästig bist ...“ Wie, von mir ist sie einiges gewöhnt? Was meint sie damit? Ich tu doch gar nix. Ich lieg die ganze Zeit bewegungslos mitten in ihrem Weihnachtskaktus, schnüffle an den Nachbarsblumen, die übrigens nicht besonders riechen, und bin stumme Beobachterin. Aber das ist wieder einmal typisch: Eine Katze stellt etwas an und sofort werden die restlichen Miezen auf die gleiche Stufe gestellt. So, als würde unsereine etwas dafür können, dass es auch schlimme Miezen gibt!


„Haaannniii! Du sitzt mitten in meinem Kaktus! Die Blüten! Warum?“ Frauli steht vor mir, die Augen weit aufgerissen, einen Gesichtsausdruck als hätte ich ihr soeben ihr Schnitzerl weggefuttert. „Kannst du dich nicht einfach auf die Couch legen?“ Ich schweige. „Ich rede mit dir.“ Am besten ignorieren. Ich mach auf Nanni und maniküre mir meine Krallen. „Mensch, ihr seid vielleicht anstrengend heute.“ Wir? Ich tu gar nix. Ich lieg nur da und beobachte. „Hanni, geh da bitte raus.“ Oh, die Kralle da ist auch ziemlich stumpf. „Hanni.“ Vielleicht putze ich dann auch gleich meinen Schweif. „Hanni.“ Meine Ohren jucken heute wieder. „HANNI!!!“

„WAS?“ Ich springe auf, zertrample in meinem Grant eine Blüte.

„Mein Kaktus!“

„Mensch!“ Mein Sprung aus dem Blumenstock hinterlässt auf dem frisch gesaugten Boden eine dicke Schicht Erde.

„Haaannniii!“

„Ich geh schlafen.“ Beleidigt verziehe ich mich in meine Bettzeuglade. Sollen die beiden doch schauen, wie sie zurechtkommen. Missmutig verkrümle ich mich tief unter meine Schmusedecke.


Gut ausgeschlafen hopse ich nach einiger Zeit die Stufen hinunter. Alles still. Alles finster. Komisch. Ich schleiche mich vorsichtig ins Wohnzimmer. Man weiß ja nie, was einem erwartet und da ist es besser man ist auf der Hut. Ich tapse im Dunkeln zur Couch, springe hinauf und … Da liegen sie, die zwei Heldinnen des Tages. Schulter an Schulter, die Augen geschlossen, beide einen Waschlappen vorm Gesicht. Die beiden werden sich echt immer ähnlicher. Gruselig, wenn du mich fragst.

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