• roswithazatlokal

04.07.2020


Liebes Tagebuch,

es reicht. Was zu viel ist, ist zu viel. Ich kann mir doch nicht alles gefallen lassen, oder? Ich bin so was von geladen. Ich könnte …


Aber von Anfang an.

Wie du ja weißt, liebes Tagebuch, geh ich bei der Hitze gar nicht gerne raus. Und wenn, dann nur auf die Liege im Garten. Die steht nämlich im Schatten. Ich setz mich also hinaus unter unseren großen Schattenstrauch und döse friedlich vor mich hin. Weil das Wetter grad so angenehm ist, raffe ich mich zu einer kleinen Gartenrunde auf. Natürlich nicht zu weit hinaus, falls der rote Miezekater wiederkommt, aber ein kleines Stückerl halt.


Genüsslich rieche ich im Vorbeischlendern an den Kornblumen, zähle die Sonnenblumen und lass mich von den Vögeln über mir zu einem kleinen Tratscherl verleiten. Ein richtig harmonischer, entspannter Nachmittagsspaziergang. Traumhaft.


Beim Zurückgehen entdecke ich mitten auf der Wiese einen neuen Maulwurfhügel. Den muss ich selbstverständlich gründlich untersuchen. Nicht, dass da auf einmal unbemerkt ein Rudel Maulwürfe in meinem Garten herumtigert. Obwohl ich wirklich sehr gründlich bin bei meiner Inspektion, finde ich keinerlei Anhaltspunkte über die Anzahl der Belagerer. Es wird langsam auch Zeit, nach Hause zu gehen, Frauli wird bald heimkommen.

Kurz überlege ich, ob ich den eingetrockneten Regenwurm, den ich mitten auf dem Weg finde, für Frauli mitnehme. Sie freut sich doch so über die rosigen Lauser! Ich verwerfe die Idee aber wieder. Ich glaube, ein lebendiger Regenwurm ist ihr dann doch lieber. So einen finde ich aber leider nirgends, Frauli wird sich also gedulden müssen bis zum nächsten Regen.


Bei meiner Rückkehr steht die Terrassentür offen. Frauli ist also bereits zu Hause. Komisch, dass ich sie nicht gehört habe. Wahrscheinlich ist sie gerade hereinspaziert, wie ich bis zum Hals im Maulwurfbau gesteckt bin. Mit Erde in den Ohren hört man wirklich nix, ob du es glaubst oder nicht.


Das letzte Stück Weg renne ich, erzähle Frauli aufgeregt von dem neuen Maulwurfhügel und dem kaputten Regenwurm. Ich schieße ums Eck zur Couch … und da liegt sie. Nanni. Auf meinem Frauli oben drauf. Einfach so. Liegt da und schnarcht.

„Pst, Hanni, du weckst deine Schwester auf. Die ist gerade erst eingeschlafen. Ist sie nicht süß?“ Wie bitte? Nanni ist süß? „Du bist aber auch eine ganz eine Süße. Komme her, lass dich knuddeln. Oh, was zum ... Hanni, du bist ja voller Erde!“ Ich bin AUCH süß? Ja Himmel Herrgott noch einmal … Herrschaftszeiten … Himmel Arsch und Zwirn …

Gut, dass gestern der Komödienstadel war. Ich wüsste sonst gar nicht, was ich sagen soll. So eine …

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