• roswithazatlokal

03.09.2020


Liebes Tagebuch,


egal, was passiert, ich werde sofort als die Schuldige abgestempelt. Kein einziges Mal, wirklich nicht einmal, kommt Frauli in den Sinn, dass die Nanni etwas anstellen könnte. Das ist so ungerecht!


„Hanni, hast du meinen Kuchen angebissen?“ Nein. „Du brauchst gar nicht so unschuldig schaun. Wer sollte es sonst gewesen sein? Glaubst du, der Nachbar kommt extra rüber und frisst mir alles an?“ Jetzt, wo du es sagst.


„Hanni, du latscht gerade mitten durch meinen Teller! Spinnst du?“ Oh, ich war total in Gedanken. Mist, jetzt muss ich mir wieder die Haxen waschen. Mmh, das schmeckt aber lecker. „Wieso bist du überhaupt auf dem Tisch?“ Wieso nicht?


„Hanni, was machst du in der Waschmaschine? Das ist gefährlich. Wenn ich zumache und sie einschalte, könntest du sterben.“ Echt jetzt? Dann lass sie halt offen.


„Wieso bist du eigentlich so … eigen?“ Fragend mustert mich Frauli.

„Ich bin nicht eigen. Ich bin wie ich bin. Hack nicht dauernd auf mir herum!“

„Dann benimm dich gefälligst, wie es sich für eine Katze gehört!“

Unsere Blicke duellieren sich. Nanni kommt bei der Katzenklappe herein, miaut.

„WAS?“, schreien Frauli und ich unisono.

„Oh, oh. Schon wieder dicke Luft“, murmelt Nanni im Umdrehen, flieht hinaus in den Garten.

„Wie meint sie das?“, fragt mich Frauli.

„Mich fragst du?“ Ich zucke mit den Achseln.

Eine Weile sitzen wir uns stumm gegenüber.

„Das ist jetzt aber nicht wirklich passiert, oder?“, bricht Frauli schließlich das Schweigen.

Ich zwinkere ihr zu.

Wortlos steht Frauli auf und holt sich ihren Waschlappen, legt sich damit auf die Couch. Was sie wohl hat?

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