• roswithazatlokal

03.08.2020

Aktualisiert: Aug 4

Liebes Tagebuch!



Heute ist es total lustig bei uns. Die Nanni ist einmal nicht so stinkig wie sonst, ist sogar in Spiellaune. Nachdem es draußen schüttet und wir mehr oder weniger hier herinnen eingesperrt sind, erlaube ich der dummen Nuss, großzügig wie ich nun einmal bin, mit meinen Spielsachen zu spielen.


Nanni schupft mir grinsend meinen Lieblingsball zu. Ich fange ihn elegant auf und rolle ihn zu ihr zurück. Nanni schlägt übermütig einen Purzelbaum, drischt mit voller Wucht auf den Ball. Beherzt springe ich in die Höhe. Während meine Vorderpfote blitzschnell den Ball abfängt, donnert mein Hinterteil gegen irgendetwas Hartes. Lautes Getöse, ein Scheppern, Pumpern, Stille.

Wir sehen uns erschrocken an. Vorsichtig nähern wir uns dem Ungetüm vor uns auf dem Fußboden. Es sieht aus wie eine riesige Vase. Aber woher kommt die so plötzlich? So hoch bin ich doch gar nicht gesprungen, dass ich die vom Tisch hätte runterschubsen können.


Außer zwei großen Scherben, einer kleinen Wasserlache und ein paar Blumen auf dem Fußboden deutet nichts auf unser Missgeschick hin. Wenn wir Glück haben, fällt Frauli überhaupt nichts auf. Andererseits ...


Wir hören wie die Wohnungstür geöffnet wird. Frauli! Wieso kommt die denn schon heim? Suchend schaue ich mich um. Wohin flüchten? Wo verstecken? Nanni deutet nach draußen. Auf der Terrasse? Aber da findet sie uns doch gleich.

Wir sausen durch die Katzenklappe. Gerade rechtzeitig wie mir scheint. „Meine Bodenvase!“, hören wir Frauli schreien. Scheiße, sie klingt nicht gerade amüsiert. Hektisch blicken wir uns um. Es schüttet noch immer, wir können nirgends hin.

Nanni springt todesmutig von der Terrasse mitten ins Blumenbeet, duckt sich unter die grüne Blätterpracht. Sie macht sich so klein wie möglich. Mitten hinein ins Nasse hüpfen? Mich anregnen lassen? Nur über meine Leiche!


Panisch sehe ich mich um. Da, der Sonnenschirm. Wenn ich mich da drunter verstecke, schützt er mich vor dem Regen und sie sieht mich nicht. Mehr stolpere ich als ich gehe, erreiche den marmornen Schirmständer. Mist, der Schirm ist nicht aufgespannt. Ich mache mich so schmal ich kann und hoffe, dass der Platz unter dem zusammengeklappten Schirm ausreicht, um mich trocken zu halten.

Regungslos wie eine Statue sitze ich also da, ergebe mich mit zusammengekniffenen Augen meinem Schicksal. Wenn ich Glück habe, bemerkt sie mich nicht. Vielleicht glaubt sie ja auch, die Vase ist ganz von alleine umgefallen.


„Hahaha! Ihr seid so süß, man kann Euch gar nicht böse sein.“ Frauli steht neben mir. Wie zum Teufel hat sie mich so schnell gefunden? Frauli dreht sich um. „Nanni, dich hätte ich beinahe übersehen unter den vielen Blättern. Hihi! Ich nehme an, Ihr habt nichts mit dem kleinen Unfall im Wohnzimmer zu tun?" Prüfend sieht sie erst die Nanni, dann mich an. Beide schütteln wir den Kopf. „Ja, das dachte ich mir gleich. Das war sicher wieder der Nachbar. Der kommt andauernd herüber und macht unsere Sachen kaputt. Ich werde einmal ein ernstes Wörtchen mit ihm reden müssen.“ Echt jetzt? Der Nachbar war da? Den hab ich gar nicht gesehen.

Nanni kichert. Frauli gluckst vor Lachen. Was bitte schön ist so lustig daran, wenn der Nachbar ...? Ach so, jetzt schnall ich es, Frauli verarscht uns! Hahaha!




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