• roswithazatlokal

02.11.2020



Liebes Tagebuch,

stell dir vor, ich darf mir den Kasperl ansehen! Frauli sagt, weil die doofe Nuss und ich heute nicht gestritten haben, zeigt sie uns ein paar Folgen vom Kasperl. Ausnahmsweise statt dem Vorlesen. Juchuh!


Ha, der Kasperl ist ja lustig. Und der hat auch eine Omi. Zu der sagt er immer Großmutti. Und dabei ist die aber gar nicht groß, sondern ganz klein. Hihi!


Der Nanni gefällt der Petzi-Bär am besten. Eh klar, die mag Streber. Findest du nicht auch, dass der Petzi ein Besserwisser ist? Das ist wie bei der Micky Maus. Da hab ich am liebsten den Donald. Der Micky selber tut immer so klug und überlegen. Das ist ja nicht zum Aushalten! Dreimal darfst du raten, wer ein Fan von dem Micky ist. Richtig, die doofe Nuss. Die springt dauernd bei Kerlen an, die so auf klug tun. Wahrscheinlich ist sie deswegen auch in den Maximilian verliebt. Wenn sie es auch nicht zugibt.


Auf alle Fälle will die Frau vom Räuber einen Gugelhupf backen und hat keine Form. Und da klaut der Räuber doch tatsächlich der Großmutti ihre Gugelhupfform. Ich mein, das geht ja gar nicht. Eine Omi ohne Geschirr – das ist ja wie der Sommer ohne Sonne. Oder der Winter ohne Schnee. Omis brauchen Töpfe und Pfannen und Backsachen. Und Guttis.


Der Kasperl geht dann, gescheit wie er ist, einfach seiner Nase - also dem Geruch - nach und kommt gerade zurecht, wie die Frau Räuber den Gugelhupf aus dem Ofen nimmt. Na, wie die Frau Räuber erfährt, was ihr Mann angestellt hat, da wird sie aber gewaltig böse. Sie zieht ihrem Mann eine mit dem Nudelholz drüber, die sich gewaschen hat. Der Räuber tut mir jetzt direkt leid. Das gibt spätestens morgen eine Mordsbeule.


Und dann kommt der Dagobert dazu. Kennst du den Dagobert, das Krokodil? Der Dagobert sagt immer: „Bussi, Bussi.“ Haha! Der beißt doch tatsächlich aus Versehen die kleine Hexe in den Popsch.

Apropos Hexe: Hab ich dir nicht gleich gesagt, dass es kleine Hexen nur in Märchen und in Filmen gibt? Das reib ich der Nanni naürlich sofort unter die Nase, das mit den kleinen Hexen. Ich sag ihr, sie soll mich gefälligst nicht immer für blöd verkaufen. Und weißt du, was die tut? Die verdreht voll die Augen, klopft sich auf ihre hässliche braungestreifte Stirn und murmelt: „Oh Herr, womit hab ich das verdient?“ Also wenn die glaubt, ich lass mir alles gefallen, dann täuscht die sich aber gewaltig. Ich hau ihr vorbeugend eine runter, worauf sie mich sofort in die Seite boxt. Gerade wie ich mit der Hinterhaxe zu einem Tritt ansetze schaut Frauli zu uns rüber. Wir tun beide so, als würden wir uns winken. Ich mit der Hinterhaxe, die Nanni mit der Vorderpfote.

„Ach, ihr seid so süß. Und so brav", freut sich Frauli. Wir grinsen beide und widmen uns wieder dem Fernseher.


Nach einer Weile spüre ich einen schmerzhaften Stich mitten durch meinen Popsch. Ich fahr in die Höhe und sehe die Nanni, die blöde Kuh, die so tut, als würde sie sich strecken. Dabei haut sie mir mit voller Wucht ihre Krallen in den Hintern. Na warte! Ich gähne zu ihr hinüber und beiße sie ins Ohrwaschel. Sie schreit laut auf. Frauli mustert uns. Die Nanni tut so, als würde sie laut lachen. Ich wiederum gebe vor, ihr etwas ins Ohr zu flüstern.

„Dass ich das erleben darf. Nie und nimmer hätte ich das gedacht.“ Frauli ist hin und weg. „So brave Miezekatzen. Seht ihr, es geht auch ohne Streit und Rauferei.“ Sie tätschelt uns beiden die Köpfchen. Die Nanni zeigt mir die Zunge. Ich deute ihr, dass ich sie ständig unter Beobachtung habe.


„So, jetzt ist aber Schluss für heute. Genug gefernseht.“ Schade, ich hätte gerne noch eine Folge mit dem Krokodil gesehen. „Wenn ihr morgen wieder so brav seid, zeig ich Euch vielleicht den Yakari. Das ist ein Indianerbub mit einem Pferd. Der gefällt Euch sicher.“

Frauli erhebt sich und verschwindet in der Küche.

„Also benimm dich morgen“, flüstere ich der doofen Nuss zu.

„Wieso ich? Du machst doch andauernd die Probleme hier.“ Die Nanni boxt mich in die Seite.

„Hör auf, du blöde Kuh.“

„Selber blöd.“

„Na, warte.“

„Also, wenn …“

„Vorsicht, Frauli.“

Frauli humpelt ins Wohnzimmer. Einträchtig sitzen wir nebeneinander auf der Couch und sehen uns die Werbung an.

„Schaut einmal, ich hab Euch Leckerlis mitgebracht zur Belohnung. Fruchtet meine Erziehung doch. Und dabei sagen alle, ich verziehe Euch. Die haben ja keine Ahnung, wie brav ihr zwei seid.“ Selbstzufrieden grinst uns Frauli an. Wir grinsen zurück.

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