• roswithazatlokal

02.10.2020



Liebes Tagebuch,

ich bin es, die Nanni.


Die Hanni schnarcht so laut in ihrer Bettzeuglade, da scheppert sogar der Kasten, so einen Lärm macht die.

Wahrscheinlich hat sie sich wieder ihr Wamperl vollgefuttert und ist erschöpft zusammengebrochen. Hihi!



Du, Tagebuch, alles was ich dir erzähle, bleibt eh unter uns, gell? Weil, das muss ja niemand wissen, was wir zwei da reden.

Ich hab mir nämlich gedacht, ich mach dem Frauli heute eine Freude. Ich leg ihr nicht eine, nicht zwei, nein gleich drei Mäuse als Geschenk hin! Ich sammle bereits seit heute früh, hab zwei schon draußen unterm Holz versteckt. Vielleicht erwisch ich ja noch eine, bevor Frauli heimkommt. Dann kriegt sie die lebendig. Na, die wird sich freuen!



Liebes Tagebuch,

ich bin es Frauli.


Stell dir vor, ich komm heim und da liegen sie: Zwei tote Mäuse auf dem Küchenteppich in meiner Küche vor dem Herd. Zwei!

In dem Moment, wo ich sie sehe, zischt die Nanni bei mir vorbei, im Mäulchen ein quiekendes abgelutschtes graues Etwas.



Erraten, noch eine Maus. Sie setzt die Maus in eine Schachtel und gurrt mich freudig an. Was bleibt mir also über? Genau.

„Brave Nanni! So eine brave Miezekatze. Nein, da hat Frauli aber eine Freude.“ Ich greife zur Schachtel. Wenn ich Glück habe, kann ich die Maus in den Vorgarten retten. Die Nanni reagiert blitzschnell, schnappt sich die Maus und schüttelt sie ordentlich durch. Dann schmeißt sie sie in ihre Lieblingsschachtel. Die Katze hockt draußen, die Maus drinnen. Lasset die Spiele beginnen, würde die alten Römer jetzt sagen.


Seufzend kehre ich die Mäuseleichen auf die Mistschaufel und trage sie hinaus in die Biotonne. Am besten, ich setze mich ins Wohnzimmer bis der Zweikampf in meiner Küche vorbei ist. Ich bring es nicht übers Herz der Nanni bei der Erlegung ihrer Beute zuzusehen.

Kaum sitze ich, marschiert auch schon die Nanni mit stolzgeschwellter Brust herein. Die Tat ist also vollbracht.

„Ja, hast du heute so viele Mäuse gefangen für Frauli. So ein braves Mädi.“ Ich lobe und tätschle sie bis zum Umfallen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Nanni kippt zur Seite, grunzt zufrieden und schläft ein.


Vorsichtig schleiche ich in die Küche. Hoffentlich ist die Maus nicht nur verletzt, sondern tot. Und hoffentlich finde ich sie, bevor sie irgendwo vor sich hingammelt, falls die Nanni sie, womöglich auch noch angebissen, zurückgelassen hat.


In der Küche sitzt die Hanni. Sie beschnuppert eingehend die verendete Maus. Hanni wirkt irritiert auf mich. Die Maus umkreisend, schnüffelt sie den Teppich ab, begibt sich schließlich zu ihrer Futterschüssel und beginnt zu fressen. Was ist nur mit dieser Katze los?


Na, wenigstens ist die Maus tot. Sie landet, wie alle meine Leichen, in der Biotonne.



Liebes Tagebuch,

ich bin es nochmals, die Nanni.


Frauli hat sich total über mein Geschenk gefreut. Nur die dritte Maus musste wieder ich killen. Das kann Frauli noch immer nicht. Und dabei gebe ich mir echt Mühe, hab es ihr schon x-mal gezeigt.

Na ja, irgendwann lernt sie es vielleicht doch noch. Und bis dahin hat sie ja mich.

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