• roswithazatlokal

02.01.2020


Liebes Tagebuch,

heute ist ein echt blöder Tag. Es fangt schon damit an, dass der Blumenstock vom Fensterbrett runter fällt. Angeblich bin ich schuld daran.

Pfff! Was kann ich dafür, wenn der sich so breit macht? Hab ich die Blume in den Riesentopf gepflanzt oder Frauli? Und welcher Idiot fertigt so schmale Fensterbretter an? Eben.


Gerade wie sich alles beruhigt, mit alles meine ich Frauli, passiert mir ein kleines Missgeschick. Nix aufregendes. Es ist nicht einmal der Rede wert, wenn du mich fragst. Würde Frauli nicht involviert sein. Involviert ist übrigens mein heutiges Wort des Tages *grins*.


Da biegt die doch glatt ohne Vorwarnung in dem Moment mit ihrem Kaffeehäferl in der Hand um die Ecke, wie ich die Butter von ihrem Frühstückssemmerl runterschleck. Na, du kannst dir vorstellen, was das wieder für ein Theater war. Der reinste Weltuntergang. Als ob ich schuld wäre, wenn sie ihr Semmerl alleine herumliegen lässt! Woher soll ich wissen, dass sie die Butter haben will? Das mit der Marmelade ist ihr Gott sei Dank erst gar nicht aufgefallen.


Beleidigt verzieh ich mich auf die Couch, beschließe heute kein einziges Wort mehr mit Frauli zu wechseln. Ich meine, soll sie sich doch einen anderen Sündenbock suchen. Immer bin ich an allem schuld.


Wie ich da so gemächlich auf der Couch auf Fraulis Wohlfühlpolster liege, krabbelt mich ein Käfer an. So ein schwarzer, komischer. Gelangweilt schubse ich ihn von mir runter. Der Käfer krabbelt wieder auf mir rauf. Ich schubse ihn runter. Er krabbelt wieder … Lange Rede kurzer Sinn, wir beide – der Käfer und ich – kommen so in Spiellaune, dass wir unser Spielfeld erweitern. Wir lassen uns von der Couch runter purzeln und matchen uns auf dem Boden weiter.


Es kommt, wie es kommen muss. Frauli trampelt mitten in unser Spielfeld. Ich fighte im Rückwärtsgang mit einem Salto vorwärts mit dem kleinen schwarzen Kerl, Frauli rennt mitten in mich hinein, stolpert und knallt volle Wäsche auf den Boden. Da sitzen wir nun, Frauli und ich. Sie sitzt mit offenem Mund auf ihrem Hintern, ich liege beinahe ohnmächtig auf der Schnauze.

„Hanni, für heute reicht es echt!“

„Was?“ Jetzt macht sie mich echt grantig. Die spinnt wohl. Rennt mich nieder und regt sich auch noch auf.

„Kannst du nicht aufpassen?“, keift sie mich an.

„Ich? Wer ist denn in mich reingerannt?“

„Komm mir nur nicht so, Fräulein!“ Sie erhebt sich schwerfällig. „Ein Glück, dass ich mir nichts getan hab. Grad jetzt, wo ich die Krücken endlich los bin.“

„Wenn du auch so tollpatschig bist!“ Ich betaste mit meiner Pfote meinen Kopf.

„Was heißt, ich bin tollpatschig?“

„Na, wer denn sonst?“


„Oh, oh! Und vorbei ist der Weihnachtsfrieden.“ Die Nanni steht kopfschüttelnd vor uns. „Ihr benehmt Euch aber echt so was von spooky.“

„Wer benimmt sich hier spooky?“ Frauli krempelt die Ärmel auf. Endlich. Endlich kriegt die doofe Nuss eine ordentliche Abreibung.

Aber nix dergleichen geschieht. Frauli tätschelt Nannis Kopf. „Du hast ja recht. Was will ich auch schon großartig von einer Katze erwarten.“

„WIE BITTE?“, blaffen Nanni und ich Frauli an.

„Das ist ja wohl die Höhe.“ Nanni kneift ihre Augen zusammen und fixiert Frauli wie eine Maus.

„Du bist echt gemein“, schniefe ich beleidigt.

„Und was bist du?“ Frauli streckt mir die Zunge heraus.

„Mann, wenn Ihr Euch sehen könntet. Falls Ihr mich sucht, ich bin drüben bei den Drombachs.“ Nanni stürmt bei der Katzenklappe hinaus.


„Pfff!“ Ich lege mich wieder auf die Couch.

„Selber pfff! Ich bin im Bad, falls du etwas brauchst.“ Frauli stapft die Stufen hoch.

Oh, wir nehmen ein Bad. Na, gut. Dann will ich einmal nicht so sein. Gemächlich schlendere ich hinter Frauli die Treppe hinauf.

„Und dass du mir ja nicht wieder meine Uhr in die Wanne schmeißt.“

„Ich? Kann ich etwas dafür, wenn …“



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