• roswithazatlokal

01.01.2021


Liebes Tagebuch!


Frauli meint, ich hab da gestern was falsch verstanden. Ich darf mir selber nix vom neuen Jahr wünschen. Ich soll den anderen Glück für das neue Jahr wünschen. Also habe ich im Büro nach Glückwunschkarten gesucht. Na, da war dann was los bei uns!


Frauli sagt, ich bringe sie noch in Teufels Küche, wenn ich weiterhin Post versende. Keine Ahnung, warum sie das zu mir sagt. Die sollte sich lieber darüber freuen, dass ich so kommunikativ bin! Andere Miezekatzen-Beherbergerinnen wären froh, wenn sie so gescheite Miezen hätten. Aber mein Frauli? Pfff!

Außerdem weiß ich gar nicht, wo der Teufel seine Küche hat. Und ob es überhaupt diesen Herrn Teufel gibt. So schaut`s aus.


Die Nanni sagt, Frauli hat das nur im übertragenen Sinn gemeint.

„Was heißt hier im übertragenen Sinn?“, frag ich die doofe Nuss.

Und weißt du, was diese Blunz`n mir antwortet? „Das geht auf keine Kuhhaut ist ja auch nur eine Metapher.“

„Wie jetzt? Diese Kuhhaut-Geschichte ist gelogen?“ Ich blinzle sie verdutzt an. „Aber die hat es doch gegeben, die Leute, die auf Pergament aus Kuhhaut schreiben.“

„Früher. Aber heute nicht mehr. Heute sagt man das nur, wenn etwas zu gewaltig erscheint." Sie vertieft sich wieder ins Internet. "Zum Beispiel: Die lügt derart, das geht auf keine Kuhhaut", liest sie laut vor.

„Ach so, das ist eine Redewendung. Warum sagst du das nicht gleich?“ Ich denke kurz nach. „Und du meinst, den Teufel gibt es heute auch nicht mehr?“

„Da musst du mit einem Pfarrer darüber reden. Der kennt sich mit so etwas besser aus.“

„Der Pfarrer kennt den Teufel?“ Ich schaue die doofe Nuss ungläubig an.

„Im übertragenen Sinn … vielleicht.“

„Aber, wenn ich Frauli in des Teufels Küche bringe, was meint sie eigentlich damit? Kochen die dann zusammen? Oder muss Frauli seine Küchenkastl ausräumen und putzen?“ Letzteres ist mir eingefallen, weil Frauli das überhaupt nicht machen mag. Und dem Teufel trau ich zu, dass der meinem Frauli die ganz gemeinen Arbeiten anschafft.

„Hm, möglich. Falls es den Teufel hier auf Erden tatsächlich gibt.“ Die Nanni stöbert nochmals im Internet nach einer Antwort. „Da find ich nix darüber. Sieht so aus, als hätte den noch nie jemand gesehen. Das ist wie mit dem schwarzen Mann. Mit dem drohen die Menschen auch den kleinen Kindern und dabei gibt es den gar nicht.“

„Pfff, na Gott sei Dank.“ Ich überlege kurz. „Frauli ist aber schon gemein, findest du nicht auch? Die droht mir mit dem Teufel, um mir Angst zu machen. Das sind ja Methoden.“

„Solche Aussagen werden als Zeichen der Hilflosigkeit gewertet“, liest die Nanni in Fraulis Bücherregal sitzend aus einem Psychologie-Buch vor.

Ich staune. Gerade noch liegt sie auf dem Schreibtisch beim Laptop und schwupps, sitzt sie im Bücherregal mit einem aufgeschlagenen Sachbuch.

Ich springe zu ihr ins Regal, lese selbst nach. „Tztztz, unser Frauli. Schau an, schau an.“ Ungläubig schüttle ich meinen Kopf.

Nanni tätschelt meine Pfote. „Nimm es ihr nicht übel, sie ist auch nur ein Mensch.“

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